Nachts schlafen die Ratten doch
Bildquelle: de.wikipedia.org

Nachts schlafen die Ratten doch

Mitten in der Schuttwüste nach einem Bombenangriff wartet ein kleiner Junge. Er muss hier aufpassen, das erklärt er dem Mann mit dem Korb voller Kaninchenfutter. Und deswegen kann er auch nicht mit ihm mitkommen und sich seine Kaninchen anschauen.

Der Mann merkt, dass sich der Junge nicht helfen lassen will, nicht einmal mit seinen Kaninchen ködern und will gerade gehen, als er doch noch mit dem Grund herausrückt: "es ist wegen den Ratten." Die Ratten essen doch die Toten, das hat ihm sein Lehrer einmal erzählt. Und deswegen muss er jetzt hier aufpassen. Denn unter der Schuttwüste liegt sein Bruder. "Er war viel kleiner als ich. Erst vier. Er muss hier ja noch sein. Er ist doch viel kleiner als ich."

Einen Moment sieht der Mann ihn an, dann fängt er plötzlich an: "Ja, hat euer Lehrer euch denn nicht gesagt, dass die Ratten nachts schlafen?"
Der Junge sieht auf einmal ganz müde aus, und der Mann fährt fort: "Nachts schlafen die Ratten doch. Nachts kannst du ruhig nach Hause gehen.
Nachts schlafen sie immer. Wenn es dunkel wird schon." Langsam bröckelt der Widerstand des Jungen. "Wenn sie wirklich nachts schlafen."

Und nun interessiert er sich doch für die Kaninchen. Ob er sich eins aussuchen dürfe? Der Mann verspricht wiederzukommen, sobald es dunkel wird, und ihn dann nach Hause zu begleiten. Er müsse dem Vater des Jungen doch zeigen, wie man einen Kaninchenstall baut. Der Junge ruft ihm hinterher: "Ich warte. Ich muss ja noch aufpassen, bis es dunkel wird. Ich warte bestimmt." Und als der Mann weggeht, schwenkt sein Korb aufgeregt hin und her. "Kaninchenfutter war da drin. Grünes Kaninchenfutter, das war etwas grau vom Schutt."