Referat "Judentum"
Referat zu Verfügung gestellt von Sabine, 5. Klasse (2003)
Überarbeitet von der Kidsweb Redaktion
Über das Judentum
Das Judentum ist eine der ältesten Religionen der Welt, zählt aber zu den kleinsten der Weltreligionen. Weltweit gibt es ca. 18 Millionen Juden und davon leben rund fünf Millionen im Staat Israel. Zum Vergleich: in den USA leben ca. sieben Millionen Juden. Auch in Südamerika und in Russland leben viele Juden. Als Folge des Zweiten Weltkrieges ist die Zahl der Juden in Europa verhältnismäßig klein. In Österreich leben rund 12.000 Juden.
Früher nannte man die Juden Israeliten. Juden glauben nur an einen Gott. Sie sollen sich kein Bild von Gott machen. Dass es Gott gibt, ist für Juden selbstverständlich. Aus Glaubensgründen sagen sie nur dann "Gott", wenn sie in der Synagoge (jüdisches Gotteshaus) bei Festlichkeiten sind. Sonst benützen sie den Namen Adonai. Im Gebet stellt der Mensch eine Beziehung zu Gott her. Jüdisches Beten ist mit bestimmten Riten und Gesten verbunden: Vor dem Gebet spült der jüdische Gläubige den Mund und wäscht sich die Hände.
Der jüdische Kalender beginnt mit dem Jahr der Weltschöpfung, das aus der Bibel mit 3761 vor Christi Geburt. errechnet ist. 2003 nach Christus ist also das Jahr 5764 nach jüdischer Zeitrechnung. Die Juden haben auch andere Namen für die Monate und Wochentage. Sie benennen die Monate nach den Monden. Der Tag beginnt mit dem Einbruch der Nacht, daher beginnt die Woche am Sonntag. Der Samstag ist ein besonderer Tag. Sie nennen ihn Sabbat.
Der öffentliche Gemeindegottesdienst findet in der Synagoge (Versammlungshaus) statt. Das Herz der Synagoge ist der Thoraschrein, der sich an der Jerusalem zugewandten Seite befindet. In der Mitte des Raumes befindet sich die Birma, ein erhöhter Platz für die Verlesung der Thora. In den Synagogen gibt es keine Glocken, die den Gottesdienst einläuten. In manchen Synagogen sind Frauen von den Männern getrennt. In einigen aber ist dieser Brauch schon aufgehoben. Der jüdische Gottesdienst verlangt die Anwesenheit von zehn religiös mündigen männlichen Personen. In manchen Gemeinden wird auch die Zählung von Frauen zur Erreichung dieser zehn Personen akzeptiert. Der Vorbeter bzw. Kantor leitet den Gottesdienst. Der Jude bedeckt im Gottesdienst aus Gottesfurcht seinen Kopf mit einer Kippa, einem Käppchen. Jüdische Männer legen einen Gebetsmantel (Tallit) an und befestigen Gebetsriemen (Tefillin) mit Gebetskapseln um den linken Oberarm und an der Stirn. Für das religiöse Leben der Gemeinde ist der Rabbiner zuständig. Die Juden haben auch eine eigene Schrift und eine eigene Sprache entwickelt, die sie trotz der langen Zeit der Verfolgung bewahrt haben: die hebräische Sprache und das hebräische Alphabet. Im Gottesdienst wird noch immer das Hebräisch verwendet. Gepredigt wird jedoch in der jeweiligen Landessprache. In Israel spricht man heute das Ivrit, eine Vereinfachung des Hebräischen. In Mitteleuropa hat sich das Jiddisch entwickelt. Ansonsten sprechen die Juden die Landessprache des jeweiligen Landes in dem sie wohnen. Mehr noch als die Synagoge ist die Familie das Zentrum der jüdischen Religion. Deshalb sind viele jüdische Feste auch Familienfeste.
Die Juden besitzen ein eigenes Gebetsbuch, die Thora. Die Thorarollen werden handgeschrieben. Die alten, kaputten Rollen werden auf einem jüdischen Friedhof begraben. Das Herzstück der Thora bilden die Zehn Gebote. In der Thora werden 613 Pflichten erwähnt. Die Summe aller religiösen Gebote und Verbote nennt man im Judentum Halacha. Neben der Einhaltung der Zehn Gebote beinhaltet sie unter anderem auch Speisevorschriften und Reinheitsgebote. Menschliches Leiden wird in den biblischen Schriften unterschiedlich gedeutet: als Gottes Strafe, als Chance zur Läuterung und Buße, als Prüfung, aber auch als Glaubenszeugnis. Die Nächstenliebe bezieht sich nicht nur auf den Menschen, auch das Tier wird miteinbezogen.
Das Judentum kennt die Erbsünde nicht. Jeder Mensch trägt Verantwortung für sein Handeln. Religiöse Juden bringen am Türstock des Hauses bzw. der Wohnung eine Mesusa, einen kleinen Behälter mit Thoraversen, an. Sie berühren sie, wenn sie eintreten und rufen sich so die Weisung des Herrn in Erinnerung. Der erste und wichtigste Feiertag im jüdischen Festkalender ist der Sabbat, der siebente Tag der Woche. Er erinnert an die Schöpfung, nach deren Vollendung Gott ruhte, wie es in der Bibel heißt. Für Juden fängt deshalb der Tag nicht um 0.00 Uhr, sondern am Abend an. Der Sabbat beginnt am Freitagabend. Zuvor wird die Wohnung gesäubert, der Einkauf erledigt, das Essen vorgekocht. Man nimmt ein Bad und kleidet sich festlich. Beim Abendgottesdienst in der Synagoge begrüßt die Gemeinde den Sabbat. Die Hausfrau zündet währenddessen zu Hause die Sabbatkerzen an und spricht den Segen über sie. Nach der Rückkehr aus der Synagoge beginnt die Feier im Familienkreis. Am Samstag geht der Sabbat mit einem Morgengottesdienst weiter. Er endet bei Sonnenuntergang. Am Sabbat ist jede Arbeit verboten. Daher sind die meisten jüdischen Geschäfte am Samstag geschlossen und die Juden gehen an diesem Tag selten einkaufen. Vielmehr widmen sie sich dem Studium der Thora.
Ein wichtiger Punkt in den religionsgesetzlichen Weisungen sind die rituellen Speisevorschriften. Als koscher (rein, erlaubt) gelten Tierarten, die gespaltene Hufe haben und zugleich Wiederkäuer sind. Das Schwein gilt als unrein. Es hat zwar gespaltene Hufe, ist aber kein Wiederkäuer! Unter "Schächtung" versteht man die Tötung mit einem einzigen raschen Schnitt durch die Halsschlagader und das anschließende Ausbluten des Tieres. Ferner darf Fleisch nicht zusammen mit Milch oder Milchprodukten gekocht und auch nicht gegessen werden.
Zwei Feste sind im Leben eines Juden sehr wichtig:
Erstens: die Beschneidung (Brit Mila):
Söhne schließen die Ahnenreihe zu den Stammvätern. Deshalb werden sie am achten Tag nach der Geburt beschnitten. Im Rahmen dieser Zeremonie bekommen die Buben auch ihren Namen. Nicht nur junge Knaben werden beschnitten, sondern auch erwachsene Männer, die zum Glauben übergetreten sind, müssen sich beschneiden lassen. Mädchen erhalten ihren Namen am Sabbat nach der Geburt in der Synagoge, nachdem der Vater aus der Thora vorgelesen hat.
Zweitens: Bar Mizwa (Junge) oder Bat Mizwa (Mädchen)
Am Sabbat nach seinem 13. Geburtstag wird der Junge in der Synagoge zum ersten Mal zur Thoralesung aufgerufen. Bei der Bar Mizwa trägt der Junge zum ersten Mal in seinem Leben die Tefillin (Gebetsriemen), welche Thorasprüche enthalten und den Tallit (Gebetsmantel), ein weißes viereckiges Tuch mit blauen oder schwarzen Randstreifen. Tefillin und Tallit haben eine große symbolische Bedeutung. Der Junge sollte diese Kleidungsstücke den Rest seines Lebens, vor allem bei den Morgengebeten, werktags in der Synagoge, tragen. Er ist nun Sohn der Pflicht (Bar Mizwa), d.h. er ist religiös mündig.
Ein Mädchen wird mit zwölf Jahren Tochter der Pflicht (Bat Mizwa).
Auch die Ehe wird als religiöse Pflicht betrachtet. Das Brautpaar tritt unter den Brauthimmel. Die Trauungsformel spricht der Bräutigam. Anschließend wird der Ehevertrag vorgelesen und die Ringe und der Ehevertrag werden dem Brautpaar übergeben. Die Scheidung ist bei Nichtgelingen der Ehe und Kinderlosigkeit möglich. Die Scheidung erfolgt mittels eines Scheidebriefes und darf seit dem 11.Jahrhundert nur noch mit Einwilligung der Frau durchgeführt werden.
Für die Juden ist es religiöse Pflicht, einen Toten auf seinem letzten Wege zu begleiten. Am Ende jeder Beerdigung wird das Kaddisch von den Trauernden gesprochen. Nach der Beerdigung folgt die Trauerzeit. In dieser Zeit sind der Friedhof und das Grab unantastbar. Bei jedem Besuch eines Grabes legt man einen Stein als Zeichen der Trauer auf das Grab.
Die Juden feiern andere Feste als wir Christen.
Ein paar wichtige Feste, die sie feiern:
Pessachfest: Feier der geglückten Flucht aus Ägypten
Jom Kippur: Tag des Sündenbekenntnis
Chanukka bedeutet "Neueinweihung". Es soll an den Makkabäeraufstand unter der griechischen Herrschaft erinnern. Der achtarmige bekannte Leuchter erinnert an die acht Tage, die dieser Aufstand gedauert hat.
In früheren Zeiten war es den Juden meist nicht gestattet, gewisse Tätigkeiten und Berufe auszuüben. Daher wandten viele sich den Handels- und Geldgeschäften zu und einige gelangten zu großem Reichtum. Das wieder erregte sehr oft den Neid der nichtjüdischen Obrigkeiten und Bevölkerung. Die Juden waren im Laufe der Jahrhunderte immer wieder Repressalien ausgesetzt. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland erlitt das europäische Judentum jedoch seine größte Katastrophe: Mehr als sechs Millionen Juden wurden bis zum Ende des Dritten Reiches im Jahre 1945 getötet, vertrieben, enteignet. Unter ihnen 65.300 Juden aus Österreich.
1948 wurde der Staat Israel gegründet.
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